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Sunday, October 11, 2015

Tannhäuser: a knight at the opera -- ANTONIO DELLA SALLE --

Speranza

Tannhauser ist eine Volksballade mit einem thema aus der religiösen ueber-lief-erung, eine Legenden-ballade (Unter-gattung der Volks-ballade) vom Sünder, dem der Papst den Sünden ablass (Ver gebung) verweigert.

Um eine Verwechslung mit dem historischen minnesaenger Tannhäuser auszuschliessen, wird die Ballade Tannhauser genannt (bei Riccardo Wagner sind in seiner "melodramma romantico" Tannhäuser mehrere stoffe miteinander vermischt.

Wie die Volkslied forschung heute die Überlieferung interpretiert, haben sie wohl nur den Namen gemeinsam.

Nun will ich aber heben an
Tannhauser zu besingen
und was er wunders hat getan
im Venusberg darinnen.
& wie er kam vor’n Venusberg,
da klopft er an die pforte
Frau Venus, lasst mich freundlich ein,
mich verlangt nach diesem orte
Dort blieb er sieben Jahre lang
und lebt in Freud’ und Liebe;
ein Sünder wurde er genannt,
dem der Himmel verschlossen bliebe.
Drum sollt kein Papst, kein Kardinal
den Sünder nicht verdammen!
Der Sünder sei groß, wie er will,
Gott schenkt ihm Gnade - Amen.

Ein Ritter, Enrico Tannhauser (oder Wald-hauser, oder Bald-hauser, Balt-hauser, niederdeutsch Dan-user [so auch in der Schweiz 1882], oder Dann-häuser und ähnlich (niederländisch "Daniel-ken") verbringt seine Zeit (sieben Jahre) im Berg der Frau Venus (Venusberg mit der antiken Gestalt der Sibylla), von ihr erbittet er Urlaub zur Rückkehr.

Dialog als Gattungs charakteristik der Volks ballade.

Darauf ebenfalls gattungs typisch der Szenen wechsel. '

Danuser kommt aus dem Berg und pilgert nach Roma, um beim Papst um Vergebung für seine Sünden zu bitten [Dialog].

Der Papst (URBANO IV) verweigert diese:

so wenig sein duerrer pilger stab gruenen werde
so wenig koenne er vergebung gewaehren.

Danhuser zieht wieder in den Berg und wird willkommen geheissen.

Am dritten Tag, typische kurze Zeit spanne, gruent der Stab -- Stab wunder, aber Danuser wird vergeblich gesucht.

Papst Urban IV. [historisch 1261-1264] wird „verloren“ [verdammt] sein (kein Papst, kein Kardinal soll einen Sünder verdammen.

Kritik am Papst.

Die Sibyllen- und Zauber berg- Sage ist mit Antonio della Salle um 1420 überliefert.

Eine mögliche Vorlage bzw. Parallele in Prosa ist "Die Moerin", eine mittel-hoch-deutsche Ver-serzählung, belegt um 1453, welche die Sagen vom Venus Berg und Danuser be-arbeitet.
Die Volks ballade ist in vielen Varianten seit um 1500/1505 bis in die Gegen wart hoch deutsch und nieder deutsch überliefert; z.B. wurde sie noch um 1950 aus mündlicher Tradierung aufgezeichnet.

Sie ist besonders auch in den Alpen regionen überliefert worden.

Aus der Steier mark kennen wir eine Variante von 1924 über "Waldhauser".

Es war ein armer Sünder
der reiste der Roma stadt zu.

In Kärnten ist diese Volks ballade häufig belegt.

Als weitere frühe Über liefer ung kennen wir Lied flug schriften (vergleiche Flug blatt) aus u.a. Augsburg, Leipzig (datiert 1520), Straubing, Wien (datiert 1520) und Wolfenbüttel, weitere aus Linz 1629 und ohne Angabe des Druckortes 1638 und 1647.

Der älteste gedruckte Beleg steht in "Joerg Duernhofers Liederbuch" (um 1515); das ist eine Lied flug schrift aus Nürnberg, gedruckt bei Gutknecht 1515.
Ein wichtiger Melodie beleg ist Schmeltzel, 1544.

Zwischen 1548 und 1668 wird die melodie haeufig auch als tonangabe, als Melodie verweis für andere Texte verwendet.

Das dokumentiert ebenfalls die Popularitaet der Danhuser ballade.

Gleiches gilt für den niederländischen Beleg aus den Soute rliedekens, 1540, mit der Melodie verwendung für andere religiöse Lieder.

Die gesamte neuere Überlieferung zeigt ein reiches Varianten spektrum der Melodie und ist ein gutes Beispiel für typische Umsinge-Erscheinungen (vergleiche Variabilitaet), die durch mündliche Überlieferung bedingt sind.
Der Lied text steht unter anderem bei Heinrich Kornmann: Venusberg, 1614, dann bei Johannes Praetorius: Blokes-Berges-Verrichtung, 1668, und nach dieser Quelle druckt es die Volkslied-Edition der Romantik Des Knaben Wunderhorn.[3]
Internationale Parallelen finden sich in den Niederlanden (etwa im Antwerpener Liederbuch, 1544) und in Dänemark (Liedtyp: Danske Viser Nr. 60; aus dem Niederdeutschen übersetzt).

Ein slowenisches Bruchstück bearbeitet den gleichen Stoff.

Man kann davon ausgehen, dass es beim "Danhuser" nicht um ein kirchliches Problem geht, denn dazu ist die schwebende Offenheit zwischen [christlichem] „Himmel“ und [antik-heidnischem] „Venus Berg“ zu auffällig.

Es geht vielmehr um die Frage der menschlichen Autorität oder um das Recht des Einzelnen, mit Gott direkt zu sprechen, das heisst auch individuell für das eigene Leben ver ant wortlich zu sein.

Der Humanismus hat (auf antiker Grundlage) das Individuum von den Fesseln der Masse und der anonymen Gesellschaft befreit; dem einzelnen Menschen wird Wert zuerkannt.

Die Aufklärung hat den Einzelnen von den Fesseln der Be vor mund ung gelöst und ein persönliches Verhältnis zu Gott ermöglicht.
Andererseits hält man den Text fuer "stark von der Kirche geprägt", und er soll zu Lehr zwecken gedient haben (vergleiche D.-R. Mosers These von der Liedkathechese, hier 1977).

"Venus“ und „Liebesabenteuer im Berg“ werden angeblich „bewusst eliminiert“.

Dagegen muss man die Gattungs charakteristik der Volks ballade in Betracht ziehen, und in dieser Hinsicht sind die Varianten dieses Liedtyps durchaus gültige Gattungs vertreter.
Bemerkenswert ist, dass hier vor 1500, also noch vor der Reformation wie in der oben präsentierten letzten Strophe, angeblich bezogen auf Papa Urbano IV. (1261–1264), die Autorität der Amtskirche angezweifelt wird. „Kein Papst, kein Kardinal...“ sollen den Sünder verdammen bzw.
die Absolution verweigern.

Das steht allein Gott zu.

Entweder ist der Papst „nicht zuständig“, wenn die Verbindung auf dem antiken, heidnischen Einfluss beruht (Sybille, Venus berg), oder er masst sich fälschlich an, darüber urteilen zu können.

Was sich auch immer hinter dem Venus Berg verbirgt, durch die vor-reformatorische Kritik bekommt das Lied eine überraschende politische Relevanz.

Zeitgleich, nämlich im 13. Jahrhundert, scheint sich der Minnesaenger "Tannhäuser" im Zwist zwischen Kaiser und Papst auf Seiten des staufischen Kaisers engagiert zu haben, aber es gibt keine Anhalts punkte, die auf eine über den Namen hinausgehende Verbindung hinweisen.

Insofern ist das Lied nicht historisch.

Stab wunder (duerrer pilger stab grünt als zeichen goettlicher vergebung) und die be zeichnung Venus berg sind verbreitete Erzählmotive.


Die Volks ballade ist mit einem "Venus berg“ an ver schiedenen Orten lokalisiert worden, unter anderem mit dem Hörselberg in Thüringen -- bei Büsching 1812, Vulpius, Grimm, Bechstein und so weiter.
Die gelegentliche Bezeichnung „Wald hauser“ mag aus „Tannhauser“ abgeleitet worden sein bzw. auch einen Eremiten „im Wald“ assoziieren und muss nichts mit dem um 1162 gegründeten Stift Wald hausen im ober österreichischen mühl viertel zu tun haben.

Ein Konrad von Wald Hausen, der im 14. Jahrhundert als beachteter Prediger wirkte, wurde von Papst Urban V. der Ketzerei angeklagt.
Der gesamte text ist ein gutes beispiel für den umgang münd licher ueber lieferung mit der historischen wahrheit.

Die Volks ballade hat ihren eigenen Wahrheits anspruch, der nicht von geschichtlichen fakten und bestimmten namens formen abhängig ist.

Im Gegensatz zur Sage steht die Volksballade dem Mythischen näher.

Um 1900 fand man zahlreiche Hinweise auf den echten Tannhäuser.

Zum Beispiel "Siegsdorf" in Oberbayern reklamiert, dass „Tann“ oder „Tanne“ hier im 8. Jahrhundert urkundlich belegt ist.

Die Renaissance begeisterte sich für den „Venus berg“, und ein derart benanntes Gut bei Siegsdorf ist 1566 namentlich erwähnt.

Die Figur der Volks ballade wurde mit der des Minne saengers kombiniert, und 1987 bekam Siegsdorf touristen wirksam einen "Tannhäuser Brunnen."

Das Heimatbuch von Bergen im Chiemgau (1995; Siegsdorf benachbart) verweist auf den angeblichen Büßerstein Tannhausers in der (neu-romanischen) Kirche von Bergen.

 Der Volks musikpfleger Wastl Fanderl hat seit 1974 Lied und Geschichte unter anderem über den Bayerischen Rundfunk und das Fernsehen verbreitet und populär gemacht.

Richard M. Meyer: „Tannhäuser und Tannhäuser sage“. In: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde 21 (1911), S. 1-31.

Deutsches Volksliedarchiv und einzelne Herausgeber: Deutsche Volks lieder mit ihren Melodien. Balladen [DVldr], Band 1, Berlin 1935, Nr. 15. – Vergleiche Otto Holzapfel u.a.: Deutsche Volkslieder mit ihren Melodien: Balladen, Band 10, Peter Lang, Bern 1996 (zu DVldr Nr.15 im Volksballaden-Index O 39).

Anton Anderluh: Kärntens Volksliedschaft, Band II/1, Klagenfurt 1966, Lied-Nr. 20.
  • Gert Glaser: Die Kärntner Volksballade, Klagenfurt 1975, S. 149-167 (ausführliche Darstellung der Liedbelege aus Kärnten aufgrund der Edition von Anderluh; Melodie-Parallelen).
  • Dietz-Rüdiger Moser: Die Tannhäuser-Legende, Berlin 1977 (mit weiteren Hinweisen).
  • Burghardt Wachinger: „Tannhäuser-Ballade“. In: Verfasserlexikon, Band 9 (1995), Sp. 611-616.
  • Otto HolzapfelDas große deutsche Volksballadenbuch, Artemis & Winkler, Düsseldorf 2000, S. 343-346 (mit Kommentar).
  • Otto Holzapfel: Liedverzeichnis, Band 1-2, Olms, Hildesheim 2006 (Eintrag zu „Nun will ich aber heben an...“ mit weiteren Hinweisen und jeweils aktualisierte CD-ROM im Volksmusikarchiv des Bezirks OberbayernISBN 3-487-13100-5).
  • Hanno Rüther: Der Mythos von den Minnesängern. Die Entstehung der Moringer-, Tannhäuser- und Bremberger-Ballade. Böhlau, Köln 2007 (Pictura et Poesis 23), ISBN 978-3-412-23906-0, S. 140-266.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hochspringen Nach: Moritaten, Balladen und gesungene Geschichten II. München 1991 (Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern); Volksmusikwochenende „Balladen in Oberbayern“, Kloster Seeon 1997.
  2. Hochspringen vgl. Anderluh, Kärnten, Band II/1, 1966, Nr. 20 mit vielen Varianten und Erläuterungen; vgl. dazu Glaser, 1975.
  3. Hochspringen Des Knaben Wunderhorn Band 1, 1806, S. 86
  4. Hochspringen vgl. Otto Holzapfel: Folkevise und Volksballade, München 1976, S. 33

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